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Qualifikationen für Coaches

Die meiner Meinung nach qualifizierteste Einschätzung meines Mentors u. "Coachingspapstes" Wolfgang Looss aus seinem Buch "Coaching für Manager - Problembewältigung unter 4 Augen" zu Qualifikationsvoraussetzungen eines Coaches.

"Wir haben schon einmal postuliert, daß „Coach" keine Berufsbezeichnung, sondern eine Funktionsbezeichnung ist. Um diese Funktion auszuüben, braucht der Coach eine Reihe von Kompetenzen, deren Mischung wegen des unterschiedlichen fachlichen Ursprungs oft als „Schnittfeldqualifikation" bezeichnet wird.

Da Coaches mit Menschen arbeiten, müssen sie etwas über Menschen, menschliches Erleben, Denken, Fühlen, Wollen und Handeln wissen. Dieses Wissen erwirbt man natürlich am ehesten durch ein Studium der „Humanwissenschaften", also der Philosophie, Anthropologie, Psychologie oder Pädagogik. Wobei „Studium" natürlich nicht unbedingt auf das Lernen an einer Universität beschränkt ist, man kann ein Fachgebiet auch außerhalb von Universitäten intensiv „studieren". Die Schwierigkeit mit den Humanwissenschaften ist, vor allem in den Augen von Managern und anderen Leuten, die sich mit Sachzusammenhängen oder praktischem Handeln beschäftigen, daß sie keine endgültigen Antworten liefern können. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, was „gut" oder „böse", „schön" oder „häßlich" ist, wir wissen immer noch nicht, wie man eine gute Ehe führt, seine Kinder erzieht oder mit Konflikten umgeht. Auch so grundlegende Begriffe wie „Liebe", „Güte", „Weisheit" oder, einfacher, „Durchsetzungsvermögen" und „Teamfähigkeit" sind immer noch nicht eindeutig definiert, obwohl die Menschheit schon seit einigen tausend Jahren daran herumarbeitet. Mit dieser prinzipiellen Unlösbarkeit muß man sich einige Jahre lernend herumgeschlagen haben, dann fällt es leichter, die vielfältigen Formen menschlicher Narretei zu akzeptieren und doch nicht völlig an der Spezies zu verzweifeln.

Da Coaches mit Führungskräften arbeiten, deren Tätigkeit ja bekanntlich darin besteht, dafür zu sorgen, daß andere Menschen miteinander bestimmte Ziele erreichen, sollten Coaches auch etwas wissen über die Spielarten und Ergebnisse menschlichen gemeinsamen Handelns. Sie sollten über Kommunikation und Nähe, über Krieg und Macht, über Normen und Ideale, über Tabus und Rituale, über Sexualität und Geld, über Rache und Forscherdrang, über Gruppen und Familien mehr als nur ihre privaten Erfahrungen besitzen. Solche Dinge lernt man in den Gesellschaftswissenschaften, also in der Sozialpsychologie, Soziologie, Politologie oder in den Kulturwissenschaften. Auch diese Fachgebiete muß man nicht unbedingt an der Universität studieren.

Und da Coaches in vorwiegend jenem Teil der, Gesellschaft tätig sind, der da „Wirtschaft" oder, enger, „Management" heißt, sollten sie über diesen gesellschaftlichen Teilbereich natürlich auch etwas wissen. Sie sollten den üblichen Unterschied zwischen einem Bereichsleiter und einem Gruppenleiter kennen, wissen, was ein Profit Center ist, den Diskontsatz nicht für einen musiktheoretischen Begriff halten und Logistik nicht mit Logik verwechseln. Solche fundamentalen Kenntnisse erwirbt man entweder in einem ökonomischen Studium oder durch längeres Verweilen in dieser Subkultur.

Neben diesem grundlegenden Wissen über die Tatbestände, Sachverhalte und Handlungsmuster, mit denen er es zu tun bekommt, benötigt der Coach eine ganze Reihe von Fertigkeiten, um sich in seiner Funktion kompetent verhalten zu können. Dazu gehört der gesamte komplexe Kanon der beraterischen

Kompetenz, die eine intensiv ausgearbeitete Sonderform der Fähigkeit zur Kommunikation überhaupt ist. Beraterische Kompetenz erwirbt man nicht durch ein Studium, sie muß - da es sich um eine höchst komplexe Verhaltensweise im Umgang mit anderen Menschen handelt - eingeübt werden. Nie gibt es den Zeitpunkt, wo ein Berater sagen könnte: „Jetzt kann ich es", so wie man etwa sagt: „Jetzt kann ich Schwimmen." Der Coach wird immer die Menschen bedauern, mit denen er vor fünf Jahren gearbeitet hat, weil er zwischenzeitlich wieder etwas mehr erlebt und verstanden hat von den unendlich vielen Möglichkeiten menschlichen Denkens, Fühlens und Verhaltens. Die Grundfertigkeit des Beratens erwirbt der Coach inzwischen meist in einer berufsbegleitenden Fortbildung in einem mehr oder minder verbreiteten und anerkannten beraterischen oder therapeutischen Handlungskonzept. Solche Konzepte sind auf der Basis der wichtigen psychotherapeutischen „Schulen" entstanden: Aus der Psychoanalyse, der klientenzentrierten Gesprächstherapie, der Verhaltenstherapie, der Transaktionsanalyse, der Gestalttherapie, den Körpertherapien, dem Psychodrama, der Gruppendynamik, der Familientherapie oder anderen, weniger verbreiteten aber deswegen nicht unbedingt weniger nützlichen Konzepten stammen die allermeisten Formen dessen, was man heute als personenzentrierte Beratung kennt. Eine qualifizierte Grundausbildung in einem solchen Beratungsverständnis dauert berufsbegleitend einige Jahre, umfaßt viele hundert Stunden intensiver Lernerfahrung mit sich selbst und anderen und kostet mittlerweile zwischen 7500 – 10000 €. Das ist eine ziemlich große Investition für eine einzelne Person, zumal am Ende nichts greifbar ist außer dem hoffentlich gestiegenen Mut, nun in die Welt zu gehen und zu beraten, was das Zeug hält.

Doch der Coach braucht noch mehr als das. Anders als andere Berater, die sich - nach humanwissenschaftlichem Studium und durchlaufener Zusatzausbildung - in der psychosozialen Welt der „Beziehungstierchen" wohlig einrichten, findet der Coach sein Klientel in einer Welt, die mit „Beratung", so wie er sie zu verstehen und zu betreiben gelernt hat, ersteinmal wenig anfangen kann. Coach sein heißt, aus irgendeinem Grund daran interessiert sein, beraterisches Vorgehen in eine Weit zu.expor-tieren, die beraterisches Vorgehen vermutlich zwar gebrauchen kann, aber erstens oft nicht genau weiß, was das ist, zweitens nicht genau weiß, ob das für sie nützlich ist, drittens mit den dabei üblichen Arbeitsformen wenig vertraut ist und viertens diese Arbeitsformen dann oft als ausgesprochen fremdartig und irritierend empfindet und sich dagegen wehrt. Wer also Coach werden oder sein will, muß wohl Spaß daran haben, seine beraterischen Spuren als erster in den unberührten Tiefschnee einer von Personenberatung unberührten Teilwelt zu setzen. Er geht mit seinem Handlungskonzept sozusagen in ein fremdes Land, fast jede Situation dort ist erstmalig und voller Widrigkeiten. Der Coach braucht also viel Frustrationstoleranz, um die zwangsläufig zunächst geringe Akzeptanz seiner Tätigkeit hinzunehmen und auch noch als Herausforderung zu empfinden.

Wer Führungskräfte berät, muß wissen, wie Führuhgskräfte fühlen, denken und handeln. Der Coach muß diese seine Zielgruppe natürlich intensiv kennenlernen. Eine gute Möglichkeit ist es, selbst einige Zeit als Führungskraft zu arbeiten, um die in diesem Beruf herrschenden Normen, die Grundmuster, die Verhaltensweisen, die klassischen Problemlagen und Konflikte und vor allem die Sprache kennenzulernen. Kein Wunder, daß Coaching einstweilen vorwiegend von Menschen betrieben wird, die sich ohnehin schon seit langer Zeit als Fremde oder bestenfalls als „Residenten" in der Subkultur Wirtschaft aufhalten und sich daher unter Managern auskennen. Ihnen, den Trainern und Unternehmensberatern, fällt es einstweilen leichter, die dort noch ungeläufige Arbeitsform vorzuzeigen und erproben zu lassen, sie sprechen die Sprache, kennen die Denkweise, können vermitteln, wenn dem Management etwas nicht einsehbar erscheint.

Eine andere Gruppe von Coaches ist den Weg genau andersherum gegangen. Sie sind in der Wirtschaft und unter Managern groß geworden, sind selbst oft in dieser Funktion tätig gewesen und aus irgendeinem Grund „in die Beratung" gegangen, um ihre vielfältigen Praxiserfahrungen dort zu verwerten. Sie haben sich erst danach in der anderen, der psychosozialen Teilwelt umgesehen, sich dort vielfältige zusätzliche Kompetenzen aus den Humanwissenschaften für die kommunikative Tätigkeit des Beratens „besorgt" und wenden diese nun in ihrer Heimatwelt als Coaches an. Sie sind „Importeure" einzelberateri-schen Vorgehens im Gegensatz zu den zunächst psychosozial ausgebildeten „Exporteuren", die ihr in der kulturellen und intellektuellen Heimat erworbenes psychosoziales Vorverständnis und beraterisches Know-how in die ihnen zunächst fremde Subkultur des Managements hinaustragen. Nach längerer Zeit werden aus Vertretern beider Gruppen wahre subkulturelle „Kosmopoliten", Grenzgänger zwischen den verschiedenen abgeschlossenen Systemen, die, überall und nirgends zu Hause, eine eigene kleine Welt von Professionellen bilden.

 Die Selbsterfahrung des Coaches

Selbsterfahrung nennt man in der psychosozialen Welt eine Lernform, in der jemand erfahrungsorientiert über sich selbst lernt. Das Ergebnis solcher Lernprozesse wird manchmal - etwas unzureichend - „Selbstwissen" genannt. Unzureichend ist der Begriff deshalb, weil es sich um mehr als ein „Wissen" handelt. Es ist die Fähigkeit und Möglichkeit, eigene emotionale Reaktionen und Verhaltensimpulse in der situativen Bedeutung eines gegebenen Augenblicks dennoch im Zusammenhang mit der eigenen Lerngeschichte zu verstehen und wiederzuerkennen. Dadurch wird es möglich, in der gegenwärtigen aktuellen Situation aus alten Verhaltensautomatismen „auszusteigen" und andere zusätzliche Möglichkeiten des Agierens zu erwägen. Diese Fähigkeit ist für alle Beziehungsarbeiter unersetzlich. Da sie bei ihrer Arbeit nur sich selbst, ihre Wahrnehmungsfähigkeit, ihr Wissen, ihre Intuition und ihr Verhaltensrepertoire zur Verfügung haben, um zu reagieren, zu intervenieren, Vorschläge zu machen und all die anderen Dinge zu tun, die im Kontakt mit dem Klienten sinnvoll erscheinen, sind sie auf ein gutes „Funktionieren" ihres Selbst angewiesen, das sich vorwiegend an der aktuellen Situation und nicht hauptsächlich an vergangenen Erfahrungen orientiert.

Beziehungsarbeiter, zu denen die Coaches ja gehören, müssen sich als Person möglichst intensiv selbst „durchgearbeitet" haben: Sie müssen mit ihren eigenen Verwundungen und Verletzungen, ihren eigenen verschütteten Gefühlen von Ohnmacht, Zorn, Verzweiflung, Trauer und Schmerz in Kontakt gekommen sein. Sie sollten wesentliche Teile dieses „alten Materials" in sich selbst soweit bearbeitet haben, daß ihnen die Gefühle von Handlungsweisen von damals nicht heute den Blick verstellen für das, was tatsächlich passiert. Aus dieser Tradition der psychosozialen Professionalisierung läßt sich die Faustregel ableiten, daß „erfahrene Klienten zu guten Beratern" werden können.

 

Schon als der Klient zur Tür hereinkam, wußte der Coach, daß es schwierig werden würde. Dieser Mann, das sah er auf den ersten Blick, war kalt wie eine Hundeschnauze. Schon wie er ging, den Kopf starr geradeaus gerichtet und die Augen - so kühl. Irgendwie erinnerte er ihn an Dr. H., seinen alten Lateinlehrer. Das war auch so ein eiskalter Typ gewesen, voller Ironie und Arroganz, gnadenlos, wenn er jemanden bloßstellen konnte. Er beschloß, mit diesem Klienten sehr auf der Hut zu sein und sich keine Blöße zu geben. Möchte mal wissen, wozu so ein Typ ein Coaching braucht...

Man kann sich ungefähr vorstellen, wie dieser „Beratungsprozeß" ablaufen wird. Vermutlich wird er über weite Strecken eher einer verspäteten Abrechnung mit einem Schatten der Vergangenheit ähneln.

Wenn der Coach unter anderem ein Spiegel für seinen Klienten ist, dann ist Selbsterfahrung das mühsame und behutsame „Glattklopfen" dieses Spiegels, das „Ausbeulen" der lebensgeschichtlich auch vom Coach eingefangenen leidvollen und schwierigen Erfahrungen. Geschieht dies nicht, so wird der Klient Mühe haben, in dem sozialen Spiegel „Coach" irgendetwas zu erkennen außer Zerrbildern aus Vorurteilen, Annahmen, Reaktionsbildungen und Ideologien.

Selbsterfahrung ist ein anstrengender und sehr langsamer Lernprozeß. Er geschieht im Rahmen der eigenen Psychotherapie, die sich der Coach - hoffentlich - gegönnt hat, und im Verlauf der langjährigen Fortbildung in extra dafür gebildeten Lerngruppen. Ein gelegentliches Selbsterfahrungswochenende in wechselnden Gruppen und bei wechselnden Gruppenleitern ist zwar u.U. eine sehr wichtige, intensive und konsequenzenreiche Lernform, kann aber die kontinuierliche und langfristige Arbeit an der eigenen Person keineswegs ersetzen. Dennoch wird es immer wieder Coaches geben, die nach dem Motto „Die Praxis ist die beste Selbsterfahrung" ihre Beratungsarbeit allein auf ihren eigenen, früher einmal als wirkungsvoll erlebten Handlungserfahrungen aufbauen. Das ist nur solange hinnehmbar, wie der Inhalt der Beratungstätigkeit sich auf praktische Handlungsempfehlungen im instruierenden Sinn beschränkt. In dem Augenblick, wo Beratung im Kontext einer dafür geschaffenen Beziehung geschieht und die Person des Klienten Gegenstand der Beratungsarbeit wird, ist eine solche Arbeitsgrundlage unzureichend. Coaching wird damit nicht nur unnütz, sondern u.U. auch schädlich: Daß der Klient fremde und unpassende Handlungsmodelle für seine eigene Person übernimmt, ist dabei noch das geringste Übel.

 

Der

 


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