Home
Lebensberatung
Einzelberatung
Paarberatung
Aufstellungen
Wege z. Herzen
Atmen zum Leben
MenschSein - Texte
Gästebuch Psy.
Organisationsber.
Zu meiner Person
Newsletter
Anfahrt
Kontakt
Stocherkahnfahrten
Partnerlinks Tüb.
Sitemap
Impressum
Datenschutz
Webcams Tipps


Wann nützt Psychotherapie

nichts?

Oder: Unter welchen Voraussetzungen nützt Psychotherapie dann wirklich?

Psychotherapie ist ein wunderbares Instrument, eine wunderbare Sache! Eigentlich ist sie zwar gar kein Instrument, sondern ein Lebensprozess, ein Beziehungsprozess. Sie ist die schönste und sinvollste Tätigkeit, die ich bis jetzt kennengelernt habe, und die im Moment mit den meisten Menschen tiefste mögliche Beziehungsform. Eine wunderbare Angelegenheit!

Und trotzdem nützt sie praktisch nichts. 

Sie hilft Dir nicht, liebe/r Klient/in, lieber Mitmensch, liebe/r Patient/in oder wie auch immer ich Dich nennen mag. Sie hilft auch uns nicht, den Therapeuten, Psychiatern, Psychologen, die sie endlos zuerst und immer wieder an sich in Lehrtherapien, therapeutischen Ausbildungen und Seminaren erproben.

Warum nützt sie nicht, warum hilft sie nichts?

Liegt es an ihr? 

Ist das Instrument nicht gut genug, nicht genügend? 

Nein, das Instrument ist wunderbar, eine wunderbare Angelegenheit!

 Es liegt an uns, an Dir und an mir, an der Art wie wir sie benützen. Wir benützen sie nicht richtig, darum nützt es nichts. Und dieses Problem wollen wir jetzt ein wenig anschauen! 

Wenn Du zu mir kommst mit einem Problem, bereit bist, dafür Geld (zum Geld später noch ein paar extra Gedanken und Anmerkungen - auch das Geld spielt in unserer Beziehung eine große Rolle)  und Zeit zu opfern, eingesehen hast, das der vielleicht bequemere kassenfinanzierte Weg bei meinen Kollegen Dir vielleicht nichts genützt hat, dann kommst Du zu mir mit Deinen Problemen, in der Verwirrung Deiner Gefühle, mit der Katastrophe Deines Lebens, möchtest Du das gelöst haben, loswerden. Aber Du willst den Preis nicht dafür bezahlen. Du willst es nur abgeben. Und ich, Dein Therapeut, sitze meist im selben Boot. Ich spiele auch nur mit meinem schönen Instrument. Auch ich will mich nicht wirklich bis zum Ende einlassen. Auch mir ist es zu gefährlich, und darum mache ich Dich auf Deinen Fehler auch nicht richtig aufmerksam. Statt dessen spielen wir zusammen unser Lieblingsspiel in seiner therapeutischen Variante, das sog. Abhängigkeitsspiel, das wir auch sonst im Leben immer und überall spielen.

Du willst den Preis nicht bezahlen! Du willst Dir Deiner Selbst nicht bewusst werden, nicht selbstbewußt werden. Und selbstbewußt werden heißt nicht stark und unberührbar zu werden, sondern Dir Deines ganzen Gefühls- und Denkkanons wieder bewußt zu werden. Das ist in der Regel mit Schmerz verknüpft. Das ist zumindest die Erfahrung meines eigenen "Selbstbewußtwerdungsprozesse".  Du willst die Schmerzen dieses Prozess nicht annehmen. Du willst keine Konsequenzen ziehen aus Deinen Einsichten. Du willst nicht wirklich frei werden, frei sein, sondern abhängig bleiben. Du leidest an Deinen Abhängigkeiten, an Deinen Abhängigkeitsbeziehungen, deshalb kommst Du. Aber Du willst sie nicht los werden, du willst bessere Abhängigkeiten, schönere Abhängigkeiten. 

Du willst nicht frei sein, frei sein für die Liebe, das ist Dir zu viel, zu gefährlich, und darum vereitelst Du jeden Versuch, Dir zu helfen, sabotierst Du Deine Entwicklung, wo immer Du kannst. 

Deine Angst ist Deine Feigheit, die verhindern, dass die Psychotherapie etwas nützt bei Dir, dir helfen kann. Und die Feigheit und Angst Deines Therapeuten hilft Dir dabei, nicht einmal dies zu erkennen. Gemeinsam geht ihr sachte an der Wahrheit vorbei, solange es irgendwie geht, weil die Wahrheit doch niemandem - und schon gar nicht Dir - zugemutet werden kann, wie sie zu hart ist, zu unbequem, zu beängstigend. Und doch setzt sie sich schliesslich in Deinen Leben durch, und dann bist Du enttäuscht, fühlst Dich betrogen, wenn Dein Therapeut sich Deinem Ausweichspielchen angeschlossen hat. Aber wenn Du einen hattest, der sich mit Dir zusammen der Wahrheit stellen wollte, bist du sicher weggegangen von ihm und hast ihn vielleicht verleumdet oder dann bist Du sitzen geblieben bei ihm und hast endlos verweigert, Deine Schritte zu tun, bis ihm der Atem ausgegangen ist. Deine Feigheit zerstört Dich und die Welt! 

Psychotherapie kann nichts nützen, wenn wir uns nicht darauf einlassen, Du, der/die Klient/in und ich, der Therapeut. Sie kann auch nicht helfen, wenn sich nur einer von uns darauf einlässt. Und was heisst einlassen? Sie kann ihren Nutzen nur entfalten, wenn wir beide den Mut aufbringen, uns ihr zu stellen, das heisst, uns uns selbst zu stellen, unserer persönlichen Wahrheit und unserer gemeinsamen Beziehungswahrheit.  

Die Liebe - und nur sie hat die heilende und wirkende Kraft - kann sich nur entfalten (spüre hin, was das heissen könnte: entfalten! - ihr Raum geben) wenn wir beide den Mut aufbringen, uns ihr zu stellen, das heisst, uns uns selbst zu stellen, unserer persönlichen Wahrheit und unserer gemeinsamen Beziehungswahrheit. Die Liebe kann sich nur entfalten in unserem Leben, wenn wir bereit sind, mit ihr zu gehen, ihr einen Raum in uns und zwischen uns zu geben - oder besser formuliert - uns von ihr ergreifen lassen, sie zuzulassen. Das heisst Abschied zu nehmen, radikal Abschied zu nehmen von aller Abhängigkeit, frei zu sein. Aber davon haben wir Angst, Du, der/die Klient/in und ich, der Therapeut. Das wollen wir gar nicht, und gegen unseren Willen kommt nichts an, weil wir, auch wenn wir nicht frei sein wollen, es trotzdem sind. Unser Wille ist frei. Es geschieht, was wir wollen! Wenn ich will, dass in meiner Psychotherapie nichts geschieht, dann geschieht auch nichts! Wenn Du willst, dass sich in Deinem Leben nichts wirklich verändert, weil Du eigentlich willst, dass alles so bleiben soll, wie es ist, weil Du Angst hast vor einer neuen Bewegung, dann wird sich auch nichts ändern, da wird der beste Psychotherapeut nichts daran ändern können. Da kann niemand etwas daran ändern - und ich auch nicht. 

Psychotherapie ist gerade deshalb ein so wunderbares Instrument, weil sie eine Einladung ist, eine Einladung, der man freiwillig folgen muss, nicht ein Vorschrift, die uns zwingt.  

Psychotherapie ist nichts anderes als ein Wiedeinsteigen auf den Prozess der Liebe, und die Liebe lädt ein, sie lässt völlig frei, weil dies zu ihrem Wesen gehört. 

Sie hat nichts mit der Abhängigkeit zu tun, nur die völlige Negation der Abhängigkeit schafft Raum, dass sie sich überhaupt entfalten kann. Darum nützt die ganze Psychotherapie nichts - oder zumindest so selten etwas. Darum, weil wir dies nicht wollen. Und die Ohnmacht diesem eigenen Nichtwollen und dem Nichtwollen des anderen gegenüber, die wollen wir auch nicht sehen, die halten wir auch nicht aus. Darum schlägt sie sich in der materiellen Welt nieder, wo sie heute in unserem Leben auf allen Ebenen so allgegenwärtig ist. 

Was ist denn der Preis, den Du nicht bezahlen willst, die Konsequenz, die Du nicht tragen willst, die Wahrheit, die Du nicht sehen willst? Ich kann es Dir sagen! Auch wenn es vielleicht wiederum nichts nützen wird. 

Du kommst und leidest zum Beispiel an psychosomatischen Bauchschmerzen.Wir brauchen Monate, um Dir aufzuzeigen, dass es Deine Angst ist, die Du spürst. Vielleicht gelingt es uns gar nicht, wie Du schon da nicht willst, weil Du das nicht wissen willst. Und wenn Du sie endlich spürst, dann wirst du dafür sorgen, dass sie eine abgespaltene, von aller Wirklichkeit losgelöste Angst bleibt, die mit nichts, vor allem nicht Deinem Leben, Deinen Situationen nichts zu tun hat, weil Du die Zusammenhänge nicht sehen willst, die Herausforderung, die darin liegen würde, nicht annehmen willst. Wahrscheinlich müsstest Du erkennen, dass Du Dein Leben auf Sicherheit aufgebaut hast, weil Du der Angst vor Verlust und dem damit verbundenen Weh und Schmerz, welche tief in Dir angelangt wurden - und da liegen sie noch - in Dir - um jeden Preis aus dem Weg gehen willst. Du müsstest erkennen, dass diese auf Sicherheit aufgebaute Leben Dir keine Freude macht, Dir eine Last geworden ist, Dir Magenschmerzen verursacht und Dich allmählich zerstört. Diese Erkenntnis würde nach einer Konsequenz rufen, der Konsequenz, dieses "alte Leben" von Dir abzuschütteln, Dich frei zu machen für etwas Neues, für eine unsichere Existenz. Aber genau das willst Du nicht, davor hast Du Angst. 

Das wolltest Du ja immer schon vermeiden, und das willst Du auch weiterhin vermeiden. Und ich, Dein Therapeut, helfe Dir womöglich dabei, weil ich selbst Angst habe vor der Unsicherheit des Lebendigen, weil ich selbst das Verlassensein in mir vermeiden muss. So drehen wir uns endlos im Kreis und erkennen die einfachen Wahrheiten und die Konsequenzen nicht, die Dein Leiden beenden könnten. Vielleicht müsstest Du D/eine Beziehung aufgeben, wie sie nicht auf Liebe begründet ist, sonder auf Abhängigkeit, auf Sicherheit. Vielleicht müsstest Du Dein ganzes Leben umkrempeln, und vielleicht müsstest Du  nur ein paar kleine Veränderungen anbringen. In jedem Fall sträubst Du Dich aber dagegen, willst Du der Tatsache gar nicht in die Augen sehen und die Hintergründe Deiner Vergangenhei, dem Schmerz, des Verlassensein und anderen Gefühlen, die damit verbunden sind, nicht fühlen.  

In diesem Zusammenhang will ich auch noch die ergänzende therapeutischen Familienaufstellungsarbeit erwähnen - deren Einordnung und  Bedeutung für die bisher und nachfolgend beschriebene und mögliche therapeutische Beziehungsform zwischen Dir und mir wichtig ist.. Auch sie - die Familienaufstellungsarbeit ist ein wunderbares Werkzeug, welches Dir aber auch nur bedingt weiterhilft. Sie hilft zwar nur bedingt für Dein völliges Heil, ist aber in vielen Fällen unabdingbar. Sie hilft Dir, Deine generationsübergreifenden Verstrickungen sichtbar zu machen und einer Lösung zuzuführen. Im therapeutischen Prozess, den ich hier beschreibe, ist sie - um einen bildlichen Vergleich zu bringen - wie die Veränderung oder der Neuaufbau, die Neukonfiguration der Festplatte, die Veränderung der Hardware, das Grobe. Sie ist unabdingbar zur Klärung und Auflösung der familiengeschichtlichen Leiden und Verstrickungen.  Aber eben auch nur dieser. Sie ist aber kein wirklicher Ersatz für den hier und bisher beschriebenen psychotherapeutischen Beziehungsprozess, ersetzt diesen nicht. Deshalb warne ich auch davor, mit den populär gewordenen Heilserwartungen da ran zu gehen, dem Popularitätsmythos der Familienaufstellungsarbeit zu verfallen, in dem Glaube, mit einer Familienaustellungsarbeit  seien alle Deine Probleme gelöst. Die Familienaufstellungsarbeit ist ein -  beim beginnenden oder schon begonnen psychotherapeutischen Beziehungsprozess wichtiger Meilenstein, aber eben nur ein Meilenstein. Die vorherige, parallel oder nachfolgende Feinarbeit - und um hier wieder die Analagie zur Computersprache zu benutzen, die "Anwendungssoftware"  - ist der eigentliche Kern des therapeutischen Prozesses. Sie ist die Software. Ich richte ein Anwendungsprogramm ein  -  oder mehrere -  und danach will die Software  angewendet sein. Du kannst - wenn es Dein Wille ist - in der therapeutischen Beziehung den ganzen Fächer der Gefühle lernen, die Anwendung lernen gemeinsam mit mir, Deinem Therapeuten. Die Gefühle zu ergründen, zu erspüren, wieder ans Tageslicht zu holen heißt,  die alten Muster verstehen und loslassen lernen, um Raum zu schaffen, für das Neue, für die Liebe, die bisher in Deinem Leben keinen Platz hatte. Mit und durch die Familienaufstellungsarbeit ist eine generationsübergreifende Betrachtung und Sichtweise verbunden, danach geht es um Deine  familienbiografische Erforschungreise, d.h. die Erforschungsreise über Familienaufstellungen geht primär vor die Zeit Deiner Geburt, die Psychotherapie erforscht die Zeit kurz vor, während und die Zeit nach Deiner Geburt, die Säuglings-, Kindheits- und Jugendphase bis ins Erwachsen-Sein. 

Wenn ich ein mutiger Therapeut bin, kann ich Dich vielleicht dafür gewinnen, einige Schritte in die richtige Richtung zu tun. Aber Du wirst sie nur tun, weil Du überzeugt bist, dass ich, Dein Therapeut, am Ende die Verantwortung dafür übernehmen werde, Dir garantiere, dass dann alles gut wird, dass ich Deine Sehnsucht erfüllen werde, Deine Sicherheit sein werde, dass Du von mir abhängig sein darfst. Und auch wenn ich Dir endlos sage, dass dem nicht so ist, wird das nichts nützen. Du wirst zwar nicken, aber trotzdem Erwartungen haben. Und wehe mir, Deinem mutigen Therapeuten, wenn ich da nicht stehenbleibe, meine Ohnmacht Deinem Nichtwollen gegenüber nicht erkenne und Dich tatsächlich die Schritte tun lasse im Glauben, ich Dein Therapeut, übernehme dafür die Verantwortung. Dann wirst Du Dich grausam rächen an mir, den Du willst nicht frei sein, nicht unabhängig sein. Du hörst nicht, dass ich Dir keinen Rosengarten verspreche. Du willst den Rosengarten, und Du willst, dass ich ihn pflege und hege für Dich. Wenn Du dann dastehst vor Deinem zerbrochenen Leben, Einsicht genommen hast in Dein Leid, aber immer noch nicht den Mut hast, dafür die Verantwortung zu übernehmen, wirst Du Dich beklagen, die Psychotherapie habe nichts genützt, habe Dich zerstört, habe Dein Leben ruiniert. Vorher sei alles so schön gewesen, und jetzt sei alles kaputt. Wenn ich, Dein Therapeut, die Ohnmacht nicht aushalten habe vor Deinem Nichtwollen, nicht da stehengeblieben bin, wo ich Dir nur sagen konnte: Solange Du nicht willst, können wir nicht weitergehen; wenn wir Schritte gemacht haben, für die Du nicht die volle Verantwortung hast, sondern zu denen ich Dich verleitet habe dadurch, dass Du mich idealisiert hast und grosse Heilserwartungen auf mich projeziert hast, dann werde ich jetzt die Rechnung dafür bezahlen müssen. Du wirst mich verleumden, anklagen, mir vielleicht mit Haftpflichtprozessen drohen oder zumindest andere Menschen gegen mich aufhetzen, mich anderen gegenüber schlecht machen. Und ich kann mich darüber nicht einmal beklagen. Du hast ja recht. Ich habe einen Fehler gemacht als Dein Therapeut, den Fehler, dass ich Dich nicht weggeschickt habe, Dich nicht im Regen habe stehen lassen, nicht gesagt habe:Komm dann wieder, wenn Du wirklich willst; solange Du nicht willst, kann ich nichts für Dich tun.

Ich könnte Dir endlose Geschichten erzählen darüber aus der Arbeit mit Dir, was der Preis ist, den Du nicht bezahlen willst. Aber eigentlich lässt es sich ganz einfach zusammenfassen: Du willst immer die Sicherheit und nicht die Unsicherheit. Du willst immer die Abhängigkeit und nicht die Liebe. Du willst immer mit der Angst bleiben und nicht mit dem Mut gehen. Du willst immer den Schmerz der Vergangenheit und damit den möglichen Schmerz der Zukunft vermeiden, mit einem Wort, Du willst nicht lebendig sein. Du leidest aber an Deiner Leb- und Lieblosigkeit und möchtest das ändern. Aber den Preis, der dafür notwendig wäre, den willst Du nicht bezahlen.

Und der Preis ist die Wahrheit Deines persönlichen Lebens und des Lebens überhaupt.

Die Wahrheit, dass das Leben aus unsicheren, unstabilen, gefährlichen Situationen besteht, die keine Sicherheit bieten, dass es uns völlig frei lässt, immer wieder neue Erfahrungen zu machen. Es ist vor allem das Leben, das Du nicht willst, und damit die Liebe, die die Essenz des Lebens ist. Du willst Sicherheiten, abhängig sein können von Sicherheiten, um die Liebe zu vermeiden, und siehst nicht, dass es gerade die Abhängigkeiten sind, die Dich gefangen nehmen und Dein Leben zerstören. Du willst nicht die einzige Sicherheit, die es gibt, die Sicherheit in der Unsicherheit, Du willst nicht die einzige Abhängigkeit, die wirklich real ist, die Abhängigkeit, die totale Abhängigkeit vom Fluss des Lebens und der Liebe. Du willst selbst nicht, Du willst nicht allein sein mit Dir.

Ich habe gesagt, dass die therapeutische Beziehung die im Moment mit den meisten Menschen tiefste mögliche Beziehungsform und dass dies eine wunderbare Angelegenheit ist. Aber sie ist gleichzeitig auch eine tragische Angelegenheit, denn wie in jeder Form liegt auch in dieser Form eine Beschränkung, die das wirkliche Sein in Dir und mir und zwischen uns behindert.

Die therapeutische Beziehung soll ein Mittler sein zu Dir selbst und zu wirklicher lebendiger Beziehung, sie hat nicht in erster Linie Wert an sich, ist nicht Ziel, sondern Weg.

Die Auflösung der therapeutischen Beziehung ist das Ziel des therapeutischen Prozesses und die Lösung des therapeutischen Problems. Sie soll nur eingegangen werden, damit sie in diesem Eingefangensein aufgelöst werden kann. Wenn wir sie stattdessen pflegen, gehen wir an Dir, an Deinem Alleinsein, das Du kennen- und bewältigen lernen sollst, vorbei.

Alleinsein, das heisst seine Aufmerksamkeit ununterbrochen auf sich selbst, auf seinen eigenen Prozess, seine Aufgabe und von diesem Mittelpunkt aus im Bewusstsein, wo es keine wirkliche Trennung gibt, auf alle Energien, alle Abläufe, alle Geschehnisse seiner Umgebung gerichtet zu halten und nicht auf eine andere Person.

Abhängigkeit heisst im Gegensatz dazu seine Aufmerksamkeit meist auf einen Punkt ausserhalb seiner selbst gerichtet zu haben, eine andere Person im Zentrum zu machen, nicht in sich zentriert zu sein. Neid ist damit verbunden, Neid auf die Zentrierung, die man selbst verloren hat. Sucht ist damit verbunden, das Suchen nach Ersatz für die verlorene Mitte. Die Mitte kann nur zurückgewonnen werden, wenn wir uns dem Schwierigen, Unerträglichen stellen, das uns persönlich davon trennt.

Und dazu braucht es Deine absolute, totale Bereitschaft zuerst in der therapeutischen Beziehung zu mir, Deinem Therapeuten, du später in allen anderen Deinen Beziehungen zu den Dingen, Menschen und Prozessen Deines Lebens und vor allem in der Beziehung zu Dir selbst, Deine innersten Gedanken anzuerkennen, zu betrachten, zu zeigen und zu teilen.

Und genauso braucht es meine Bereitschaft, mit Dir vollkommen ehrlich zu sein, Dir meine innersten Gedanken in jedem Moment zu schenken. Das ist völlige Hingabe aneinander und an den jeweiligen Moment.

Diese Hingabe ist das Ziel unserer gemeinsamen Arbeit, unserer gemeinsamen therapeutischen und menschlichen Beziehungsreise, in ihr löst sich jedes Problem schliesslich auf; sie muss aber paradoxerweise bereits zu Beginn gegeben sein, sonst erreichen wir das Ziel nie. Wenn wir uns der inneren Wahrheit nicht ganz verpflichten, ob es sich nun lediglich um innere Eingeständnisse handelt oder in der Folge um einen Durchbruch in die äussere Lebenssituation, wird unsere Beziehung nicht wahr, sondern verlogen sein, und auf dieser Grundlage wird nur neue Verwirrung wachsen und die alte ungeklärt bleiben.

Oft bist Du wie ein Samenkorn, lieber Klient, liebe Klientin, das endlich aufbrechen will, ins Leben durchbrechen muss, das die Sicherheit aber schützende Samenhülle verlassen muss. Dann wird sich Deine innere Wahrheit in grossen, äusseren Veränderungen niederschlagen. Aber nicht für jeden gilt dasselbe. Oft bist Du auch wie ein riesiger, ausgewachsener Baum, der nicht genug bekommt davon, seine Äste und Zweige noch weiter und weiter hinaus zu strecken. Dann ist es vielleicht eher die Zeit, Dich auf Deine Wurzeln zu besinnen, die äussere Enge Deines Lebens nicht aufzubrechen, sondern die Menschen, die Dich umgeben zu akzeptieren und Dich vom Druck, den sie auf Dich ausüben, nach innen zu stossen zu lassen. Dann wird keine äussere Änderung sichtbar werden in Deinem Leben, sondern Du wirst Dein Wurzelreich erforschen beginnen müssen. Es wird kein grosser Durchbruch stattfinden, sondern minuziöse Kleinarbeit wird von Dir gefordert sein.

Du wirst jeden einzelnen und feinsten Deiner innersten Gedanken wahrnehmen und zeigen lernen, Du wirst lauschen lernen in Dich hinein, ins Herz der Dinge hinein, und schliesslich wirst Du dabei vorstossen bis zur Erde, in der Dein Baum wurzelt und erkennen, woher die Nahrung und das lebenspendende Wasser kommt. Und dann vielleicht wird sich ganz sachte, unmerklich und leise diese Wahrheit in Deinem Leben zu manifestieren beginnen, nicht als grosser Durchbruch wie beim Samenkorn, sondern als stille Entfaltung wie bei einer Blume, die bei Nacht aufgeht.

Und dann wird in Deinen Beziehungen und damit auch in der unseren das Beste erst beginnen. Die so wertvolle Beziehung wird als Mittler zur wahren Beziehung abgelegt werden, und das Kostbarste wird sich in uns und zwischen uns entfalten.

Text S. Widmer (Überarbeitung J. Bitzer)

 

 


Institut Balance  |  info#at#institut-balance.de